Guatemala

G17: Produktive indigene Kleinbauernfamilien

Zeitraum: September 2017 - Dezember 2021
Projektregtion: Gemeinden in den Departementen Retalhuleu, Jalapa, Alta Verapaz und Chimaltenango, Guatemala
Anzahl begünstigter Familien: 600 Kleinbauernfamilien
Partnerorganisation: Asociación de Servicios Comunitarios de Salud – ASECSA

Im zentralamerikanischen Guatemala treffen grosse naturräumliche, politische und gesellschaftliche Herausforderungen aufeinander. Auch über zwanzig Jahre nach Ende des blutigen Bürgerkriegs kämpft die Maya-Bevölkerung für die Aufarbeitung des Konflikts und die Anerkennung ihrer Rechte und ihrer Kultur. Über vierzig Prozent der Bevölkerung sind indigen und gut die Hälfte der Menschen leben auf dem Land. Viele von ihnen leben als Selbstversorger von den Erträgen ihrer Milpafelder, dem traditionellen Mais- und Bohnenanbau. Durch den Klimawandel werden Regen- und Trockenzeiten jedoch bereits spürbar unregelmässiger, was den Regenfeldbau erschwert: Starkniederschläge schwemmen bestellte Felder weg und ausbleibender Regen lässt die Aussaat vertrocknen. Und beginnt die Trockenzeit früher als erwartet, gelangt das Korn nicht zur Reife. Durch die mangelhafte Ernährungssicherheit liegt die chronische Unterernährung in den ruralen Gebieten bei bis zu 80%. Die schier ausweglose Situation bewegt viele v.a. junge Menschen zur Migration – in die Stadt, oder auf den gefährlichen Weg via Mexiko in den verheissungsvollen Norden des Kontinents.

Unsere Arbeit in Guatemala

In den schwer zugänglichen ländlichen Regionen Guatemalas unterstützt unser lokale Projektpartner ASECSA (Asociación de Servicios Comunitarios de Salud) Bauerngruppen im Aufbau ökologisch bewirtschafteter Gemüsegärten. Ausgebildete Feldtechniker beraten die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern bei der Installation von Bewässerungssystemen, welche in einer zentralen Werkstatt von geübten Handwerkern produziert und ausgeliefert werden. An moderierten Feldtagen tauschen sich die Bäuerinnen und Bauern zu agrarökologischen Anbaumethoden aus und erfahren so Wissenswertes zu Saatgut, Pflanzenschutz, Bodenverbesserung und Bewässerung:

Wozu dient Vielfalt auf dem Feld? Was pflanzt man am besten gegen Ende der Regenzeit? Woran erkenne ich gutes Saatgut? Wie kann ich den Niederschlag besser auf dem Feld zurückhalten? Was gedeiht am besten neben meinen Tomaten? Was kann ich gegen Erosion tun? Wie halte ich Schildläuse fern? Welchem Gemüse kann Starkregen nichts anhaben? Wie locke ich die Bienen auf mein Feld? Wozu ist Mulch gut? Zu welcher Tageszeit soll ich bewässern? Was verkauft sich besonders gut auf dem Markt?

In ihren bewässerten Gärten können die Bauern quasi ganzjährig produzieren, auch wenn der Regen mal unerwartet ausbleibt. Das ergänzt die Mais- und Bohnenernten, kompensiert Ertragsausfälle und sorgt für gesunde Vielfalt, auch auf dem Teller. Der rücksichtsvolle Umgang mit der Natur ist in der Maya-Kultur tief verwurzelt. Wasser, Boden, Saatgut und Mitmenschen - anderen Lebewesen und Elementen wird mit viel Respekt begegnet. Die Arbeit von Aqua Alimenta unterstützt und führt weiter, was die Menschen in Guatemala seit Generationen pflegen: Einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Welt, in der wir leben.

Rück- und Ausblick

Die technischen Dienstleistungen des Projekts sind mittlerweile gut etabliert und das Team sucht aktiv die Kooperation mit Bauerngruppen, Hilfswerken, Forschungsinstituten und Regierungsstellen, um Wissen zu teilen und Kräfte zu bündeln. So sind mittlerweile landesweit bereits 20 Bewässerungstechniker bei rund 10 Organisationen als Feldberater ausgebildet und selbständig bei rund 400 Kleinbauernfamilien tätig. An der grössten Universität des Landes experimentieren zudem seit 2019 Studierende der agronomischen Fakultät auf zwei agrarökologischen Versuchsfeldern im Herzen der Hauptstadt. Zudem sind Studien bei Projektteilnehmern in Vorbereitung. Das Projekt fördert so die Auseinandersetzung der Studierenden mit ökologischen Anbaumethoden und der kleinbäuerlichen Lebensrealität - und trägt damit bei zu einem Kurswechsel in der Landwirtschaft.

 

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